Berlin Derby - Hertha BSC gegen 1.FC Union

01.02.2011 von Basdee
Schaut auf diese Stadt wenn am 5.Februar 74.400 Zuschauer im Berliner Olympiastadion ihre Teams Hertha BSC und den 1.FC Union anfeuern.

Es ist das 1. Berlin Derby im Berliner Olympiastadion überhaupt. (Abgesehen von Freundschaftsspielen) Man könnte dieses Spiel durchaus als historisch ansehen, denn wenn es die Berliner Hertha wieder in das Oberhaus der Fußball Bundesliga schafft, wird es vorerst das letzte und vorallem erste Pflichtspiel gegen den Lokalrivalen 1.FC Union im Olympiastadion sein.

Für Hertha BSC gab es schon einige Derbys im Olympiastadion - So konnte die alte Dame in der Saison 1974/75 die Tennis Borussia mit 2 zu 1 bezwingen. und 1976/77 sogar mit 2 zu 0.
Im DFB Pokal war es wieder die Borussia allerdings ging man dieses mal mit 4 zu 2 unter.

Aber es geht nicht um Tennis Borussia sondern um die ehemals sogar befreundeten Vereine Hertha BSC und den 1. FC Union Berlin. Beide Vereine haben in Berlin eine lange Tradition. Die Hertha (Gründungsname: Berliner Fußball Club Hertha) wurde 1982 im Polizeipräsidium am Molkenmarkt von Ernst Wisch als Verein eingetragen. 24 Jahre später Im Jahr 1906 wurde der erste Vorgängerverein des 1.FC Union gegründet - der FC Olympia Oberschöneweide (ein Zusammenschluss aus 3 kleinen Ortsvereinen).

Hertha hatte zu Beginn wenig Erfolg - da die Herthaner eher gesellige Leute waren und die sportliche Leistung noch nicht im Vordergrund stand. Erst um die Jahrtausendwende stellten sich erste Erfolge ein.

Olympia bestand fast ausschließlich aus Schülern. 1907 errang der FC Olympia den ersten Titel in der untersten Klasse des Verbands Berliner Ballspielvereine.Im Jahr 1909 entstand der Vereinsname Union Oberschöneweide und die Vereinsfarben waren zu dieser Zeit Blau Weiß.(!)
1914 spielte Union in der Obersten Berliner Liga, aber nur mit mäßigem Erfolg woran der 1. Weltkrieg nicht ganz unschuldig war, Fußball wurde zur Nebensache. 1920 bezog Union die Sportanlage Sadowa die heute besser unter dem Namen Stadion an der alten Försterei bekannt ist.

Zu dieser Zeit brach für Hertha die unter den Fans bekannte “Goldene Zeit” an. Im Jahr 1923 erhielt der Verein durch den Zusammenschluss mit dem Berliner Sport-Club nicht nur den Suffix BSC im Namen sondern konnte damit auch seine finanziellen Schwierigkeiten hinter sich lassen. In dieser Zeit wurde das Stadion am Gesundbrunnen, im Berliner Volksmund die alte Plumpe genannt, gebaut. Es folgten 6 Teilnahmen am Finale zur Deutschen Meisterschaft. Von 1926 bis 1931, davon gingen die Herthaner 1930 und 1931 als Deutscher Meister hervor.

Union dagegen konnte sich nicht gegen die finanziell besser aufgestellten Herthaner durchsetzen. Es folgte das NSDAP Regime und der 2. Weltkrieg, allerdings nicht ohne Folgen für die Berliner Vereine. Die Alliierten haben nach dem Krieg alle Vereine und verboten. Eine neu Gründung mit gleichem Namen war nahezu unmöglich. So wurden so genannte Sportgruppen in jedem Bezirk Berlins gegründet. Hertha BSC hieß in der Nachkriegszeit SG Gesundbrunnen und der FC Union Oberschöneweide wurde zur SG Oberschöneweide. Das Verbot galt bis zum 1. August 1949.

Die Teilung Berlins hatte für die SG Union Oberschöneweide verheerende Folgen. Neben Spielern die wegen besserer Bezahlung nach West-Berlin wechselten, siedelte auch fast die komplette 1. Mannschaft in den Westteil der Stadt - nachdem ihnen das Spiel in Kiel (Endrunde der Deutschen Meisterschaft) verboten worden war. Nach 14 Tagen gründeten sie den Verein SC Union 06 Berlin im Westteil der Stadt (aktuelle Spielstädte ist das Berliner Poststadion in Moabit).

Extrem geschwächt wurde die SG Union Oberschöneweide mit dem VfB Pankow in eine Betriebssportgemeinschaften eingegliedert und hieß seit dem BSG Motor Oberschöneweide und bekam die traditionellen Rot-Weißen Vereinsfarben.

Während Union mit der Teilung Berlins kämpfte und abermals umbenannt wurde (TSC Oberschöneweide), spielte Hertha BSC Berlin um die heiß begehrten Plätze in der neu gegründeten Fußball Bundesliga und setzte sich gegen Tasmania 1900 Berlin und Tennis Borussia Berlin durch. Von nun an spielte Hertha BSC im Berliner Olympiastadion (größter Erfolg 2. Platz in der Saison 1974-75). Doch nach Zwangsabstieg 1965 (“Handgeld Affäre”) und Spielmanipulation (Die den verkauft der Plumpe zur Folge hatte) begann eine lange sportliche Durststrecke für die noch Westberliner.

Der Verein 1.FC Union wurde am 20.Januar 1966 in Berlin Köpenick neu gegründet. Die Zuschauer zahlen stiegen wieder und man gewann sogar den FDGB-Pokal (Freier Deutscher Gewerkschaftsbund). Der große sportliche Erfolg blieb sollte auch bei den Eisernen noch etwas auf sich warten lassen.

Fans beider Lager waren sich, gerade in Zeiten der DDR, freundlich gesinnt. So besuchten Herthaner die Unionspiele und die Eisernen gingen zu den Herthaspielen.

Durch die wachsende Konkurrenzsituation ist diese, nennen wir es mal Fanfreundschaft,
eingefroren. Als dann auch noch am 30. Januar 2010 einige Unionfans die Abstiegs bedrohte Hertha mit Plakaten verspottete - Wurde in der Ostkurve immer öfter “scheiß Union - scheiß Union” gegrölt.

Es hat nun über 100 Jahre gedauert bis sich beide Mannschaften im Berlin Olympiastadion im Pflichtspiel messen können und wir hoffen das es ein Berliner Fußballfest wird bei dem der Sport im Vordergrund steht und nicht der Hass auf den anderen Verein !